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Selbstverteidigung: Wie man in Gewaltsituationen verliert

Ich werde immer wieder mal gefragt, was ich so mache bzw. anbiete. Oft antworte ich erstmal recht kurz: „Selbstschutztraining“. Darauf kommt dann regelmäßig ein kurzer verständnisloser Blick gefolgt von einem nickenden „Ach so, Selbstverteidigung“ zurück. Und dann wird meine Antwort doch wieder länger. Denn ist Zielpunkttraining Selbstverteidigung? Oder zumindest etwas Ähnliches? Und warum rede ich dann überhaupt von Selbstschutz und sage nicht gleich Selbstverteidigung, worunter sich jeder etwas vorstellen kann?

Schauen wir uns das Ganze zunächst einmal kurz aus juristischer Sicht an. Da kann man noch am ehesten von Selbstverteidigung reden, sofern das als Synonym für Notwehr gemeint ist. Denn Sinn und Zweck von Zielpunkttraining ist es, Ihnen die Fähigkeit zu geben, einen rechtswidrigen Angriff auf Ihren Leib bzw. Ihr Leben zu beenden, um dadurch möglichst unversehrt zu überleben. Spätestens wenn wir uns dann aber überlegen, was wir tun müssen, um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns von der „Selbstverteidigung“ verabschieden. Warum?

In erster Linie aufgrund der Perspektive. Gewalt ist eine unidirektionale Angelegenheit, es gibt ein Subjekt, das Gewalt ausübt und ein Objekt, dem Gewalt angetan wird. Am Ende gibt es dann in der Regel einen Gewinner, der überlebt, und einen Verlierer, dem das oftmals nicht vergönnt ist. Wer am Ende Gewinner und wer Verlierer ist hängt ebenso regelmäßig davon ab, wer davor die Rolle des Subjekts und wer jene das Objekts innehatte.

Jemand, der nun Selbstverteidigung denkt, verteilt diese Rollen bereits dadurch zu seinem Nachteil. Er ist das Objekt, das Opfer, dem etwas angetan wird, das auf die Aktionen eines Anderen reagiert. Was tut jemand, der so denkt? Was wird Leuten in praktisch jedem Selbstverteidigungskurs beigebracht, was sie als erstes tun sollen? Blocken und Distanz schaffen. Was ist das Resultat von beidem? Bestenfalls ein minimaler Zeitgewinn. Nichts ändert sich. Der andere kann genau damit weitermachen, womit er angefangen hat. Ob er noch dreimal mehr zustechen und zwei zusätzliche Schritte machen muss, bevor das Objekt seiner Gewalt zu keinen willkürlichen Handlungen mehr in der Lage ist, wird ihm einigermaßen egal sein. Blocken ist also schon einmal nichts, was uns irgendetwas bringt, sondern eine verschwendete Bewegung, eine entgangene Chance, die Situation zu unseren Gunsten zu ändern.

Was also dann? Wenn wir davon ausgehen, dass die Erfolgsaussichten, unseren Messerstecher durch gutes Zureden von seinem Vorhaben abzubringen, nicht gerade an der 100 Prozent-Marke kratzen werden, sollten wir einen Plan B zur Hand haben, der unabhängig von seinem Willen bzw. seiner Entscheidung ist. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und erwarte von meinem Plan B, dass er komplett unabhängig davon funktioniert, mit wem ich es zu tun habe. Und damit scheidet dann neben allem, was körperliche Überlegenheit voraussetzt, beispielsweise auch schon die nächste gern gelehrte Selbstverteidigungstechnik aus, nämlich sämtliche Hebel (wie das Verdrehen eines Armes etc.), die den anderen durch Schmerz zur Aufgabe bewegen sollen. Denn auch das Schmerzempfinden ist äußerst subjektiv, was sich entsprechend auf die Erfolgsquote solcher Maßnahmen auswirkt. Sie können funktionieren, wenn man Glück hat, oder eben auch nicht.

Was erfüllt nun aber die Anforderungen an unseren Plan B, was funktioniert zuverlässig bei hundert Prozent der Personen, mit denen wir es potenziell zu tun haben könnten? Verletzungen. Genauer gesagt, ernsthafte Verletzungen, die dafür sorgen, dass Teile des anderen Körpers, die für die Fortsetzung seines Angriffs notwendig sind, nicht mehr funktionieren. Deshalb üben wir in unseren Seminaren nichts anderes, als das Verursachen solcher Verletzungen. Weil das das einzige ist, worauf wir uns in einer solchen Situation verlassen, worauf wir unser Leben setzen können. Egal, wer er ist und wie sehr er uns abstechen, erschießen, vergewaltigen oder sonst etwas möchte: Er kann auf seinem gebrochenen Knie nicht stehen, durch seine zerquetschte Luftröhre nicht atmen, ohne Bewusstsein seinen Körper nicht ansteuern und dementsprechend sein Vorhaben nicht realisieren.

Der Unterschied zu Selbstverteidigung? Es ist die Perspektive des Subjekts, des Gewinners. Und dieser Plan B funktioniert. Immer. Bei jedem. Allem, was diese Kriterien nicht erfüllt, sollten wir unser Leben nicht anvertrauen.

Jens Misera
Gründer und Inhaber von Zielpunkttraining

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