Wenn man an traditionelles Kampfsporttraining denkt, kommt einem schnell das Bild von uniformierten Schülern mit unterschiedlichen Gürtelfarben in den Sinn, die in einer Reihe stehen und unaufhörlich den gleichen Schlag oder Tritt üben. Daneben der Meister, der währenddessen korrigierend umhergeht und bestrebt ist, auch hinsichtlich der Bewegung für Uniformität zu sorgen. Klassisches Technik-Training: Ein Bewegungsablauf wird vorgeführt und der Erfolg der Schüler besteht darin, diese Bewegung möglichst genau zu imitieren.

Ein anderes Bild, das nicht nur jenen bekannt vorkommen dürfte, die sich schon einmal sogenannte „realistische Selbstverteidigung“ angeschaut haben, ist ein paarweises Training, bei dem jeweils einer der Beteiligten ein Schlagpolster hält und der andere sich über einen bestimmten Zeitraum dabei verausgabt, dieses Polster mit Schlägen und Tritten zu bearbeiten. Das geht über eine oder sogar mehrere Minuten, wird mit zunehmender Erschöpfung immer langsamer bis irgendwann die Puste ausgeht.

Beide Trainingsformen mögen im Sport eine gewisse Berechtigung haben, wenn es um das Verinnerlichen einer spezifischen Bewegungsabfolge oder die Steigerung der dafür notwendigen Fitness geht. Wann immer aber nicht zum Zwecke von Fitness und Wettkampf trainiert wird, sondern Selbstschutz die Absicht ist, sieht es anders aus. Denn in diesem Zusammenhang fehlen in beiden Fällen zwei Elemente, ohne die diese Absicht nicht mit Erfolg gekrönt sein wird: Zielgenauigkeit und Ergebnisorientierung. Was soll das bedeuten?

Zielgenauigkeit setzt voraus, genau zu wissen, wo der andere Körper getroffen werden soll. Es geht dabei um einen anatomischen Punkt, der sich ganz präzise lokalisieren lässt – also beispielsweise Augapfel, Schlüsselbein oder unechte Rippen und nicht um eine schwammige Umschreibung einer Körperregion à la Kopf, Rumpf oder Bauch.

Hat man einen solchen Zielpunkt, lässt sich auch – in zweierlei Hinsicht – das angestrebte Ergebnis exakt beschreiben. Zum einen, welche Verletzung an diesem Punkt zugefügt werden kann und zum anderen, in welcher Form und zu welchem Grad diese Verletzung die Funktionsfähigkeit des anderen Körpers beeinträchtigt. In Kurzform kann das zum Beispiel folgendermaßen aussehen: „Ich ziele auf den oberen Rand der Kniescheibe um das Kniegelenk zu brechen und damit dafür zu sorgen, dass der Körper nicht mehr auf diesem Bein stehen kann.“ Oder: „Ich ziele von der Nasenwurzel aus hinter den Augapfel um den Sehnerv zu durchtrennen und dadurch Blindheit zu verursachen.“

Das alles ist aus mehreren Gründen relevant für Ihr Selbstschutztraining:

1. Sie haben zuerst einmal eine exakte Stelle, die Sie anvisieren: Diesen einzelnen, kleinen Punkt, auf den Sie sich voll und ganz konzentrieren.
2. Darüber hinaus haben Sie eine konkrete Vorstellung davon, was Sie am Zustand dieser Stelle des anderen Körpers ändern werden (die spezifische Verletzung).
3. Und Sie wissen, warum Sie das tun bzw. was es Ihnen genau bringt (den Funktionsverlust).

Damit ist die Frage nach dem Was beantwortet, die notwendige Grundlage für eine sinnvolle Beschäftigung mit der Frage nach dem Wie ist – bei der es (kurz gesagt) darum geht, das eigene Körpergewicht zu beschleunigen und durch den dann folgenden Aufprall Gewebe des anderen Körpers zu überlasten, so dass es nachgibt und beispielsweise bricht oder reißt. Wenn es dazu nicht kommt, ändert sich nichts und der Andere wird weitermachen, womit er begonnen hat. Zielgenauigkeit und Ergebnisorientierung sind die Grundlagen dafür, dass es dazu kommt und diese Grundlagen machen den großen Unterschied zu leerer Technik und wildem Drauflosprügeln aus.

Jens Misera
Gründer und Inhaber von Zielpunkttraining  

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