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Plädoyer für die Feigheit

Am heutigen Sonntag ist es genau ein Jahr her, dass der siebzehnjährige Niklas in Bonn getötet wurde, indem er Zeugenaussagen zufolge zunächst mit einem Fausthieb auf die Schläfe bewusstlos geschlagen und anschließend gegen den Kopf getreten wurde. Richter Volker Kunkel schickte am vergangenen Mittwoch dem Freispruch des Angeklagten, dem die Tat nicht nachgewiesen werden konnte, einige generelle Anmerkungen zur Tat voraus. Unter anderem führte er an, es habe keine Hinweise auf schwere Gewalteinwirkung gegeben, der Tritt könne daher nicht besonders kräftig gewesen sein. Vielmehr sei eine Vorschädigung einer Kopfarterie des Opfers für den tödlichen Ausgang verantwortlich. (1)

Um den letzten Punkt, die Vorschädigung, die den fatalen Ausgang des Überfalls begünstigt hat, soll es hier nun gehen. Solcherlei Vorschädigungen kommen nämlich gar nicht so selten vor und sie sollten all jenen zu denken geben, die in unseren Kommentarspalten darauf hinweisen, dass das, was wir unterrichten doch „viel zu krass“ sei. Immer wieder lese ich dort, man wolle den Anderen doch nicht gleich töten oder schwer verletzen. Er habe einen vielleicht nur angepöbelt oder sich sonst wie daneben benommen und solle nur die Abreibung bekommen, die er verdiene. Solche Bemerkungen kommen von Leuten, die das, worum es bei uns geht, ebenso wenig verstehen, wie das Risiko, das ihre vermeintlich harmlosen Abreibungen mit sich bringen. Ihnen kommt nicht in den Sinn, dass derjenige, dem sie da mit körperlichen Mitteln nahelegen wollen, sich unterzuordnen und sein antisoziales Verhalten zu unterlassen, auch solche Vorschädigungen haben könnte, solche Schwachstellen, von denen sie nichts wissen. Auch die davon unabhängige Möglichkeit, dass er im Zuge der Rangelei einfach unglücklich auf seinen Kopf fallen und daran sterben könnte, wollen sie nicht sehen. So etwas passiert zwar nicht oft, die Diskotheken sind an Wochenendabenden nicht mit Leichen gepflastert, aber es kommt vor.

Deshalb spielen die Protagonisten solcher Affenpolitik, die sich immer wieder auch auf unsere Facebookseite verirren, ein riskantes Spiel. Nicht nur gehen sie jedes Mal, wenn sie auf solche Kommunikation mit anderen Mitteln setzen, das Risiko ein, dass eine eigene Vorschädigung das Fass kontrollierter Gewalt für sie selbst zum Überlaufen bringt, dass sie selbst Pech haben und mit dem Kopf auf der Bordsteinkante landen, oder einfach an jemanden geraten, dem der Sinn nicht nach sozialem Gerangel steht, sondern nach ernsthafter Gewalt. Sie riskieren ebenfalls, dass der Andere Vorschädigungen oder Pech mitbringt und sie sich dadurch in der unangenehmen Situation wiederfinden, dass er danach keine Möglichkeit mehr hat, sich der von ihnen erteilten Lehre entsprechend oder überhaupt noch zu verhalten.

Darauf habe ich bereits an anderer Stelle hingewiesen, als ich über den Münzwurf schrieb, den jede körperliche Auseinandersetzung darstellt. Dabei steht immer sowohl das eigene Leben, als auch das des Anderen auf dem Spiel. Man sollte sich daher sehr gut überlegen, ob man beide wirklich aufs Spiel setzen möchte, weil man angepöbelt, begrapscht oder durch sonstiges antisoziales Verhalten belästigt wurde, oder ob es nicht schlauer ist, solchen Idioten ein Bier zu spendieren, sich für die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen und nach Hause zu gehen, wo es so viel schöner ist, als auf einer Bahre oder in einer Zelle. Wer mit ein wenig Vernunft gesegnet ist, wird darüber nicht lang grübeln müssen und auch bei anderen Gelegenheiten, die die Wahl zwischen einer körperlichen Auseinandersetzung und einer anderen Lösung bieten – wie beispielsweise viele Raubüberfälle – den Luxus einer solchen Wahlmöglichkeit zu schätzen wissen.

Solche vernünftigen Leute, die von dummen Raufbolden als Feiglinge belächelt werden, trainieren dann bei uns für den Fall, dass ihnen jemand diese Wahl nicht lässt. Wenn dieser Fall eintreten sollte, gibt es kein „zu krass“ und die Sorge, ob und wie dieser jemand danach weiter lebt befindet sich auf den hinteren Plätzen dessen, was uns beschäftigt. Das Problem, von dem in einer solchen Situation unser Überleben abhängt, besteht in der biomechanischen Funktionsfähigkeit einer oder mehrerer anderer Körper. Der Lösung dieses Problems widmen wir all unsere Aufmerksamkeit. Und die Einfachheit dieser Lösung führt nebenbei eindrucksvoll vor Augen, wie ungeeignet derlei Mittel zum Zweck sozialer Interaktion sind.

Jens Misera
Gründer und Inhaber von Zielpunkttraining

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Von |07. Mai 2017|