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Pfefferspray – Zaubermittel zur Selbstverteidigung?

Waffengeschäfte sind in letzter Zeit gut besucht. Nicht nur die Verkäufe meldepflichtiger Waffen steigen, sondern insbesondere auch die Verkaufszahlen entsprechender frei verkäuflicher „Selbstverteidigungswaffen“ nehmen rasant zu. Anlass genug, um das Pfefferspray, das beliebteste dieser Selbstverteidigungsaccessoires, hier einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und kurz zu erörtern, was es leisten kann, was nicht und wie gut es zum Selbstschutz geeignet ist.

Jede Menge Leute tragen eines mit sich herum, es ist an jeder Ecke für wenig Geld erhältlich und man kann selbst den pazifistischsten Zeitgenossen gegenüber erwähnen, dass man eines dabei hat, ohne daraufhin schief angesehen zu werden. Aus diesen Gründen ist es so beliebt, jedoch ist das auch schon alles, was sich zu den positiven Aspekten von Pfefferspray und sonstigem Reizgas sagen lässt. Allen, die schon einmal auf diesem Blog vorbeigeschaut haben, könnte insbesondere der letzte Punkt auch bereits zu denken geben. Denn warum ist Pfefferspray wohl sozial so außerordentlich akzeptiert? Weil es genau das verspricht, was auch von Selbstverteidigung erwartet wird: saubere Magie. Es soll ähnlich wie ein Zauberstab funktionieren, nicht nur auf Knopfdruck und somit ohne Anstrengung, sondern vor allem ohne die eigene weiße Weste zu beschmutzen: Abgesehen von einer Schleimhautreizung passiert dem Gegenüber nichts und dementsprechend ist man weit entfernt davon, sich auf das Niveau irgendwelcher gewalttätiger Unmenschen zu begeben.

Die moralische Überlegenheit ist also gesichert, das eigene Leben hingegen leider nicht. Um eine ernsthafte Gewaltsituation zuverlässig möglichst unbeschadet überstehen zu können – darauf bin ich an anderer Stelle ausführlicher eingegangen – muss ich den anderen Körper so verletzen, dass ihm für den Angriff relevante Funktionen nicht mehr zur Verfügung stehen. Eine Reizung der Schleimhäute ist weit von einem solchen Funktionsverlust entfernt. Sie ist recht unangenehm und führt zudem nicht selten zu einer gewissen Einschränkung der Sicht. Das kann möglicherweise dazu führen, dass der Andere deshalb von seinem Vorhaben ablässt; sein Körper funktioniert aber weiterhin und selbst wenn er ein wenig verschwommen sieht, kann es genauso gut passieren, dass er seinen Angriff danach recht ungehindert fortsetzt. Eventuell hat er dann sogar noch bessere Karten, weil die zerstäubte Flüssigkeit sich, sofern man nicht gerade mit Rückenwind gesegnet ist, gerne auch mal den Weg zu den eigenen Schleimhäuten bahnt.

Deshalb sollten wir das Pfefferspray zuhause (oder besser gleich im Geschäft) lassen und auf dessen Gebrauch aus den gleichen Gründen wie auch auf das „Blocken“ verzichten: Es ist Zeitverschwendung. Es ist eine Aktion, die keine relevante Verletzung verursacht und dadurch dem Anderen die Gelegenheit gibt, seinerseits uns zu verletzen.

Im Gegensatz zu solchen „Verteidigungswaffen“ sind übrigens andere Werkzeuge auch bei Gewaltverbrechern, Terroristen und sonstigen Spezialisten für die Zerstörung von Menschen durchaus beliebt. Ein Blick auf diese Leute ist bei diesem Thema ebenso erhellend, wie er es bezüglich werkzeugloser Gewaltanwendung ist. Sie würden nie auf die Idee kommen, sich ein Pfefferspray zu besorgen, sondern nutzen vornehmlich Stich-, Hieb- und Schusswaffen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Diese Gegenstände erlauben es, anders als Pfefferspray, die Gewaltanwendung noch effizienter zu gestalten. Stichwaffen ermöglichen es, Verletzungen an Stellen zu verursachen, an die man ohne sie nicht herankommen würde, nämlich Blutgefäße und Organe zu öffnen und dadurch rapiden Blutverlust und dementsprechend einen Schockzustand zu verursachen. Hiebwaffen bieten neben einer größeren Reichweite und erhöhter Beschleunigung auch ein robusteres Material, als das körpereigene, welches es möglich macht, nahezu jeden Knochen des anderen Körpers zu brechen. Und Schusswaffen ermöglichen es nicht nur, wie auch Stichwaffen, in den Körper einzudringen und dort Verletzungen zu verursachen, sondern vervielfachen darüber hinaus die Reichweite, wodurch sie als einziges hier genanntes Werkzeug die Möglichkeit bieten, selbst aus größerer Entfernung Gewalt anzuwenden.

Einen ganz zentralen Nachteil haben aber alle diese Werkzeuge gemein: Man hat sie in der Regel nicht ständig in der Hand und trägt sie vor sich her, so dass man Zeit benötigt um sie einsatzbereit zu machen. Die hohe Wahrscheinlichkeit, dass man diese Zeit nicht haben wird, verbunden mit zahlreichen anderen Eventualitäten (mögliche Defekte, verhinderter Zugriff, weil bspw. der eigene Arm auf der Seite des Holsters bereits gebrochen ist, die Möglichkeit, dass das Werkzeug entwendet wird usw.), verbietet es, sich allein auf ein Werkzeug, gleich welcher Art, zu verlassen. Der eigene Körper ist, solange man denken und zumindest Teile von ihm bewegen kann, immer unmittelbar einsatzbereit. Deshalb ist die Fähigkeit, ihn als Waffe zu verwenden, die unerlässliche Grundlage von Selbstschutz. Wenn diese Grundlage gegeben ist, kann manches Werkzeug nützlich sein und effizienter machen, es bleibt aber stets bestenfalls ein Hilfsmittel.

Jens Misera
Gründer und Inhaber von Zielpunkttraining

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Von |20. Juni 2017|