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Das Problem mit den Selbstverteidigungstechniken

Neben Missverständnissen bezüglich des Einsatzgebietes dessen, was wir lehren (nämlich als letztes Mittel um das eigene Überleben zu sichern, wenn alles andere nicht funktioniert) gehört die Annahme, wir würden irgendwelche „Selbstverteidigungstechniken“ unterrichten zu den häufigsten Irrtümern, mit denen wir konfrontiert werden. Insbesondere Leute, die selbst Kampfsport- und Selbstverteidigungssysteme praktizieren weisen darauf hin, dass man doch nicht nach einem Wochenende unzählige solcher Selbstverteidigungstechniken gelernt und verinnerlicht haben könne. Das ist völlig richtig. Man lernt bei uns auch keine Selbstverteidigungstechniken, denn diese sind für unsere Zwecke vollkommen ungeeignet. Das hat mehrere Gründe:

  1. Techniken zu lernen ist langwierig. Die Anzahl der Techniken, die es zum Beispiel in Selbstverteidigungssystemen üblicherweise zu erlernen gilt, ist sehr hoch. Es werden hunderte verschiedene Vorgehensweisen für die unterschiedlichsten Szenarien eingeübt. Bis diese „sitzen“ und man das jeweilige System beherrscht, dauert es dementsprechend Jahre. Keine sehr befriedigende Aussicht für jemanden, der jetzt das Bedürfnis hat, sich im Fall der Fälle schützen zu können.
  2. Techniken sind situationsabhängig. Egal wie viele der zuvor erwähnten Szenarien einstudiert werden, seien es hunderte oder gar tausende, es handelt sich dabei immer nur um einen Bruchteil der möglichen Szenarien. Das heißt es ist nicht gerade unwahrscheinlich, dass die Realität anders aussieht, als das einstudierte Szenario und dass die Technik dementsprechend nicht funktioniert. Auch in dieser Hinsicht erfüllen Selbstverteidigungstechniken also nicht die Anforderungen, die wir an ein Mittel stellen sollten, dem wir unser Leben anvertrauen.
  3. Techniken benötigen Feinmotorik. Sie stellen zu großen Teilen hohe Anforderungen an die Koordination (auch deshalb dauert das Erlernen so lange). Genau diese koordinativen Fähigkeiten gehen aber in einer Not- und damit Stresssituation aufgrund der Adrenalinausschüttung verloren. Ein weiterer Punkt, der sie nicht unbedingt geeignet erscheinen lässt.
  4. Techniken sind unzuverlässig. Und zwar über die oben erwähnte Situationsabhängigkeit hinaus. Denn die angestrebten Ergebnisse der verschiedenen Selbstverteidigungstechniken sind vielfältig; in der Regel will man Entwaffnen, Abblocken, Schmerz verursachen, den Gegner fixieren und Ähnliches. Welches Problem müsste dabei sofort ins Auge stechen? Jede Technik, die keine ernsthafte Verletzung und damit einen Funktionsverlust des anderen zur Folge hat, ist ein Glücksspiel – sie kann funktionieren, oder auch nicht. Sie ist von der Entschlossenheit des anderen, seiner individuellen Schmerztoleranz usw. abhängig und setzt nicht selten auch noch die eigene körperliche Überlegenheit voraus. Unsere Erfolgsquote – oder nennen wir sie treffender Überlebensquote – sinkt also weiter.

Selbstverteidigungstechniken haben also genügend Eigenschaften, die sie als Mittel zum Selbstschutz disqualifizieren. Was aber dann? Gibt es überhaupt eine Alternative? Wer einmal einen Blick in die Gefängnisse wirft und sich die Vorgehensweise von Gewaltverbrechern und ähnlich unangenehmen Gestalten anschaut, wird diese Frage sehr schnell bejahen können. Das sind Leute, die in der Regel vollkommen untrainiert sind, also nicht jahrelang einen Kampfsport- oder Selbstverteidigungskurs besucht haben. Ihr Tun sieht ebenso unspektakulär wie unelegant aus und bedient sich keiner Techniken. Dennoch üben gerade diese Leute unübertroffen effektiv Gewalt aus. Sie gehen regelmäßig als Gewinner (und das heißt in diesem Zusammenhang: lebendig) aus Gewaltsituationen hervor. Wir haben uns gefragt und analysiert, was solche untrainierte Gewaltanwendung so wirksam macht. Zum einen gehört dazu die Selbstverständlichkeit, mit der der Fokus auf das angestrebte Ergebnis, auf die Zerstörung des anderen Körpers gelegt wird. Und zum anderen, aus mechanischer Sicht, sind es einige wenige Prinzipien, die dieser Fokus mit sich bringt und die die Umsetzung dieses Vorhabens sehr einfach machen. Die Quintessenz dieser Prinzipien besteht darin, die eigene Körpermasse mit einer robusten Aufprallfläche (entweder des eigenen Körpers oder eines Werkzeuges) durch einen leicht verletzlichen Punkt des anderen Körpers zu bewegen. Viel mehr ist nicht dabei. Den Rest erledigt die Natur, das Zusammenspiel von Anatomie und Physik: Gewebe, das durch einen mechanischen Vorgang überlastet wird, gibt nach. Eine Verletzung stellt sich ein.

Für die Soziopathen ist all das selbstverständlich. Aber auch für jeden anderen sind diese Prinzipien in kürzester Zeit erlernbar. Sie sind unabhängig von spezifischen Situationen, benötigen keine feinmotorischen Bewegungen und führen zu zuverlässigen Resultaten.

Was wir lehren ist also keine Technik, kein Trick oder Ähnliches. Wir haben das alles auch nicht neu erfunden; es wird seit Ewigkeiten erfolgreich praktiziert. Wir haben lediglich eine sehr erfolgreiche Methode, um dieses Wissen Leuten zu vermitteln, denen es nie in den Sinn kommen würde, einen anderen Menschen zu zerstören. Leuten, die aus eben diesem Grund mit leeren Händen dastehen, wenn sie in eine Situation geraten, in der ihnen all ihre Sozialkompetenz nicht hilft, weil der andere entschieden hat, dass statt sozialen nur noch physikalische Regeln gelten.

Wie kommen diese Leute aus einer solchen Situation wieder heraus? Indem sie sich diese physikalischen Gesetze zu Nutze machen. Indem sie am Ende unseres Seminars nicht einzelne Selbstverteidigungstechniken gelernt, sondern stattdessen die wenigen oben angesprochenen Prinzipien verinnerlicht haben und situationsunabhängig anwenden können. Kämpfen können sie nicht. Und sie wissen, dass sie das auch nicht müssen.

Jens Misera
Gründer und Inhaber von Zielpunkttraining

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Von |23. April 2017|